Rendezvous extended #3: Prejudices in Maribor
März 27 - Mai 30

Rendezvous extended #3
28/03 – 30/05/2026
Galerija Hladilnica (Pekarna, Maribor)
Prejudices untersucht, wie Vorurteile unsere Wahrnehmung prägen, leise, beständig und oft unbewusst. Sie wirken zwischen dem Persönlichen und dem Gesellschaftlichen, dem Intimen und dem Politischen und strukturieren, wie wir andere interpretieren sowie Zugehörigkeit, Differenz und Ausschluss definieren.
Die Ausstellung findet in der Pekarna in Maribor statt, einem kulturellen Ort mit eigener Geschichte von Marginalisierung, Widerstand und Kontinuität. In diesem Kontext sind Fragen von Vorurteilen nicht nur Thema, sondern im Ort selbst eingeschrieben. Die Ausstellung verbindet künstlerische Ansätze mit gesellschaftlicher Reflexion, in der Wahrnehmung, Erfahrung und strukturelle Bedingungen aufeinandertreffen.
Vorurteile werden sowohl als verinnerlichte Mechanismen als auch als kollektive Konstruktionen verstanden. Sie beeinflussen, wie Wirklichkeiten gefasst und gelesen werden, bleiben jedoch zugleich veränderbar. Die Arbeiten der Ausstellung greifen diese Dynamiken auf, ohne sie aufzulösen, und schaffen einen Raum, in dem sich die Betrachtenden innerhalb dieser Prozesse wiederfinden, als Beobachtende und als Beteiligte.
Künstler*innen: Tolga Balci / Jakob Bock / Brisilda Bufi / Borut Krajnc / David Kranzelbinder / Julia Lusser / Nataša Berk / Borut Popenko / Toni Soprano / Marko Zorović
Kurationsteam: Nadine Nebel / Michael Schitnig / Nina Jeza
Prejudices entsteht im Rahmen von TRYST (Rendezvous Extended #3) und findet als Teil von GUSTART – 5. Festival zeitgenössischer Kunst / 5. festival sodobne umetnosti statt. Sie wird in Kooperation mit der Galerija Hladilnica (Pekarna, Maribor) und dem Schaumbad – Freies Atelierhaus Graz realisiert und versammelt künstlerische Positionen aus Österreich und Slowenien in einem grenzüberschreitenden Dialog.
Gefördert durch Interreg SI-AT.

Julia Lusser
Geboren und aufgewachsen in Tirol, lebe ich heute in Graz. Als Osttirolerin wird mir besonders im Winter eine Fähigkeit zugeschrieben: Skifahren. Die Annahme wirkt harmlos, zeigt aber, wie schnell Herkunft zur Erwartung wird. Menschen werden anhand einzelner Merkmale eingeordnet, Identität auf einfache Bilder reduziert. Skifahren steht in dieser Arbeit stellvertretend für solche Zuschreibungen. Gleichzeitig verweist es auf soziale Unterschiede: Wer sich Ausrüstung und Skipässe nicht leisten kann oder nicht dem erwarteten Können entspricht, bleibt außen vor. Die Arbeit untersucht, wie Vorurteile entstehen – und wie sie Zugehörigkeit definieren oder verwehren.
Jakob Bock
gehörnt #1 (horned #1) challenges prejudice through the material union of symbolically charged objects. At the center of the work is the Lederhosen: as traditional folk costume, it represents heritage; as protective motorcycle gear, it signals „alpha-masculinity“; and as a fashion object, it serves as a tool for queer empowerment. Through its transformation into a „Lederhosen strap-on“—complete with a silicone antler dildo mounted on a lacquer torso—these seemingly disparate spheres merge. The viewer is confronted with their own projections and invited to critically reflect on the social constructs of identity.
Tolga Balci
The sound installation by Tolga BALCI assembles an ephemera of sound created by membranes and objects that are amplified by coils and magnets that deliver sizzles, murmurs, trills, rumbles, roars, and echoes of voices. These voices refrain from these questions poetically. Singing voices carry a dialectic quarrel rhyme of two political epochs… These voices, that interchange roles, perhaps become the forces of “Potestas”, power, ability, opportunity, and authority, or “Conatus”, effort, endeavour, impulse, inclination, striving.
Brisilda Bufi
title still missing ist eine introspektive fotografische Reise, die das feine Zusammenspiel zwischen persönlicher Geschichte und kultureller Identität einfängt. Entstanden in einem entscheidenden Moment des Umbruchs, dem Antrag auf die österreichische Staatsbürgerschaft und dem gleichzeitigen Überdenken meiner albanischen Wurzeln, taucht das Projekt tief in die emotionalen und kulturellen Zwischenräume ein, die entstehen, wenn man zwischen zwei Welten lebt.
Im Rahmen dieser Serie kehre ich für sieben Wochen nach Albanien zurück, nicht mehr als Musikerin, sondern erstmals mit dem Blick einer Fotografin. Ich begegne einer Heimat neu, die ich einst hinter mir lassen wollte. Die während dieser Rückkehr entstandenen Aufnahmen reflektieren sich wandelnde Vorstellungen von Heimat und Identität, eingebettet in größere Erzählungen von Migration und dem ständigen Suchen nach Zugehörigkeit. Jede Fotografie steht als Fragment einer Erzählung, als Teil eines Prozesses von Rückkehr und Wiederentdeckung.
David Kranzelbinder
David Kranzelbinder präsentiert eine kuratorische Installation aus der letzten Ausstellung im Pavelhaus mit dem Titel „How do you not lose history” als Gesamtkunstwerk. Dabei spielen mehrere mehr als zufällige Zusammentreffen eine Rolle, die geopolitische Aspekte, historische Traumata und künstlerische Interventionen miteinander verknüpfen. So bringt die Installation unter anderem eine Arbeit von Leopold I. mit den Ereignissen am Peršmanhof zusammen, auf welchem wiederum eines der längsten Kunstwerke der Welt von Tanja Prušnik installiert war – es erstreckte sich über zehn Kilometer durch den Wald.