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Schnittstelle #04: Sonne oben links

Juni 26 - Juli 11

Credits: Justin Podesser und Ulrike Grossarth

 

Sonne oben links ist eine einwöchige künstlerische Handlungsanordnung der Malwerkstatt Graz in Zusammenarbeit mit Ulrike Grossarth als Kuratorin und René Corvaia-Koch als künstlerischer Assistent. Mit Ulrike Grossarth ist eine international renommierte Künstlerin in das Projekt eingebunden, deren Werk seit Jahrzehnten an den Schnittstellen von Performance, Installation, Objektkunst, Bewegung, Archiv, Handlung und künstlerischer Forschung arbeitet. Grossarths Arbeit mit räumlichen Versuchsanordnungen, begrifflichen Setzungen, Gegenständen, Handlungen und Formen anschaulicher Wissensproduktion trifft auf die eigenständigen Bild- und Zeichenwelten der Malwerkstatt Graz. Dadurch entsteht eine Zusammenarbeit, in der inklusive Kunstpraxis im Horizont anspruchsvoller zeitgenössischer Kunst verhandelt wird.

Der Titel nimmt augenzwinkernd Bezug auf normiertes Sehen und erlernte Bildsprache. Er verweist auf schematische Bildordnungen, auf wiedererkennbare Kompositionsmuster und auf die kulturell eingeübte Erwartung, wie ein Bild ‘richtig’ aufgebaut sein könnte.

Künstler:innen mit Behinderungen entwickeln im Schaumbad einen geschlossenen, täglich veränderten, neu angeordneten und dadurch neu erfahrbaren Arbeitsraum. Die Geschlossenheit dient der Intensivierung und ermöglicht einen künstlerischen Arbeitsraum, dessen Dynamik nicht sofort in Erklärung, Vermittlung oder Konsumierbarkeit überführt wird.

Nur über Videos, Bilder etc. ist er täglich über Social-Media außerhalb sichtbar und wird in der Finissage Schließung am 26. Juni als verdichteter, installativ erlebbarer Raum öffentlich gemacht. Das Projekt versteht Inklusion als Veränderung der Bedingungen, unter denen Kunst entsteht, wahrgenommen und bewertet wird. Im Zentrum stehen fünf Tagesstationen, Passivität als Aufnahmefähigkeit, räumliche Umsiedlung, Figuren, Begriffe, mediale Einblicke und die Frage, wie inklusive Kunstpraxis Öffentlichkeit herstellt, ohne ihre Eigenlogik preiszugeben.

Künstler*innen mit Behinderungen werden im Kunst- und Kulturbereich weiterhin häufig in getrennten Bewertungslogiken sichtbar. Ihre Arbeiten erscheinen vielerorts unter sozialpädagogischen, therapeutischen oder inklusionspolitischen Vorzeichen, während ihre künstlerischen Verfahren, Bildsysteme, Materialentscheidungen und Denkformen zu selten als eigenständige Beiträge zur zeitgenössischen Kunst wahrgenommen werden. An dieser Trennung setzt Sonne oben links an.

Künstler:innen: Moritz Barnard, Sabine Thaller, Gerhard Hammerl, Justin Podesser und Ariola Arui 
Weiterführende Informationen zu den Künstler:innen der Malwerkstatt Graz finden Sie hier 

Save The Dates!
26.06. 18 Uhr Finissage der Malwoche gleichzeitig Vernissage der Ausstellung
27.06.-11.07. Ausstellungsdauer 
28.06., 12 Uhr Art Lunch mit Ulrike Grossarth und Heidrun Primas

Das Projekt versteht Inklusion als künstlerische, räumliche und gesellschaftliche Versuchsanordnung. Im Zentrum steht die Frage, unter welchen Bedingungen Kunst entsteht, wenn Künstler*innen mit Behinderungen als Autorinnen eigener Bildsprachen, eigener Ordnungen, eigener Figuren, eigener Zeitsysteme und eigener Wissensformen auftreten. Die Malwerkstatt Graz erscheint dabei als künstlerischer Produktionszusammenhang, dessen Praxis nicht nachträglich in bestehende Kategorien eingeordnet wird. Ihre Verfahren bestimmen die Struktur des Projekts.

 

WICHTIG! 
Das Schaumbad verfügt über einen Treppenlift in den ersten Stock, aber über kein Behinderten WC!

Über die Projektleitung

Ulrike Grossarth (* 1952) nahm 1997 mit BAU I an der documenta X in Kassel teil; 2009 erhielt sie den Käthe-Kollwitz-Preis, seit 2014 ist sie Mitglied der Akademie der Künste Berlin. Ihre Retrospektive Wäre ich von Stoff, ich würde mich färben in der Generali Foundation Wien stellte 2014 ihre Werkkomplexe seit den frühen tänzerischen Arbeiten umfassend in Beziehung. 2022 zeigte der Badische Kunstverein mit gibt es ein grau glühend? eine umfassende Ausstellung, die zentrale Werkkomplexe Grossarths erneut in den Blick rückte.

René Corvaia-Koch, in der DDR aufgewachsen, studierte Bildende Kunst und Übergreifende Kunst in Dresden. Vom Sozialistischen Realismus arg geplagt, fand er in der Nachwendezeit Mentor*innen, die sich vehement der vormals marginalisierten künstlerischen Erforschung des Bildraums jenseits figürlicher und symbolischer Codes widmeten.

 

Details

Veranstalter

  • Schaumbad – Freies Atelierhaus Graz
  • Malwerkstatt Graz

Veranstaltungsort

  • Schaumbad – Freies Atelierhaus Graz
  • Puchstraße 41, Schaumbad
    Graz, 8020 Austria
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